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26780 CHATEAUNEUF du RH0NE

Übersetzung durch Inge Weichert

Am 22. 9. 1944 wurde ich von Ravensbrück aus in das Lager Belzig deportiert. Meine Nummer war Nr. 52560. Bei unserer Ankunft haben wir Unkraut beseitigt und den Appellplatz angelegt, denn das Lager war in vernachlässigtem Zustand.

Ich kann nicht bestätigen, dass ich Frau Kunz wiedererkannt habe. Alle Aufseherinnen waren zu uns grausam, haben uns beschimpft und geschla­gen, es gab keinerlei Kontakte. An ein Akkordeon erinnere ich mich nicht. Es war damals sehr kalt, sie hätte nicht draußen spielen können.

Ich habe niemals Reisig gesammelt, und ich habe niemals einen anderen Bahnhof gesehen als den, wo ich in Belzig angekommen bin. Im Januar 1945 habe ich eine neue Nummer bekommen, ich wurde Nr. 10227.

Die Fabrik, wo wir zur Arbeit gezwungen wurden, befand sich mitten im Wald, ca. eine Stunde Fußmarsch vom Lager entfernt. Für die Tagesschicht begann die Arbeit um 6 Uhr morgens und dauerte 12 Std. Die Nachtschicht dauerte von 18 Uhr bis 6 Uhr früh. Wir sind immer nach dem Appell weggegangen, begleitet von Soldaten. Die Aufse­herinnen hatten eine Knute, Hunde gehörten zur Begleitmannschaft, das Ganze wurde von Scheinwerfern beleuchtet.

Zur Produktion dieser Fabrik: Ich war am Ende des Fließbands zur Produktion von Haubitzen D.C.A. (ca. 4,0 cm), unsere Schicht stellte ca. 30 000 Stck. in einer Schicht her. Wenn Alarm war, brachte man uns in gut eingerichtete unterirdische Schutzräume, dort waren Fliesen an den Wänden, am Eingang stand eine große Vase. Als wir das Lager zu Fuß verließen, hat der Kommandant wegen des Vorrückens der Armeen die Archive verbrannt. Wir sind zu den Ställen des STALAG XI A (Kriegsgefangenen-Stammlager) in Altengrabow in unsagbar erschöpftem Zustand angekommen, wir waren schmutzig, hatten Durchfall. Und da haben wir den Fehler gemacht, unsere dreckigen, stinkenden Kleider von uns zu werfen, wir haben statt dessen Pullover und Hosen der Kriegsgefangenen vom STALAG, die uns aufgenommen hatten, angezogen. Die SS war in den Wäldern versteckt, nahe bei den Schafställen. Sie haben unsere Sachen angezogen, das haben wir erst später er­fahren.

Unterzeichnet von mir, Marie-Louise BOISNARD, Offizier der Ehren­legion.

Ausgefertigt Chateauneuf/Rhone am 6. Oktober 1993 (Unterschrift)

Wegen der Bestätigung der Unterschrift von Madame BOISNARD, Marie-Louise gesehen vom Bürgermeister von Chateauneuf du Rhone und unterschrieben. - Chateauneuf du Rhone, den 8.10.1993


 Quelle: Schicksale, Gerhard Dorbritz, Belzig 2001