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Belzig (MV). Gestern vormittag, einen Tag nach dem Tag der Befreiung, ehrten mit einer Kranzniederlegung am sowjetischen Ehrenmal in Treuenbrietzen Mitglieder des Sekretariats der SED-Kreisleitung und des Rates des Kreises, Vertreter der in der Nationalen Front vereinten Parteien und Massenorganisationen sowie eine Abordnung der Kampfgruppen der Arbeiterklasse die vor 24 jahren im Kampf um die Befreiung Deutschlands vom Faschismus gefallenen sowjetischen Helden. Ganz im Zeichen der Woche der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft stand gestern auch der Auftritt des sowjetischen Ensembles „Sapoljare“ aus Sotchi in Belzig. Ein weiterer Höhepunkt der Freundschaftswoche vom 4. bis 10. Mai war das „Fest der russischen Sprache“ am Mittwoch im Theater der Einheit. Nach der bisher vorliegenden Übersicht fanden in dieser Woche etwa 15 Vorträge und 5 Filmveranstaltungen statt, wo die Werktätigen unseres Kreises einen Einblick in das Leben in der Sowjetunion erhielten.

Vorgestern gedachten die Repräsentanten des gesellschaftlichen Lebens unseres Kreises und zahlreiche Einwohner der Kreisstadt in Anwesenheit ehemaliger ausländischer Häftlinge des KZ-Außenlagers Roederhof am Gedenkstein im Grünen Grund der Frauen, die während der faschistischen Herrschaft ihr Leben ließen. Zahlreiche Kränze und Blumen wurden niedergelegt. In kurzen Ansprachen gedachten Frauen aus der ČSSR, aus Frankreich und Belgien ihrer toten Kameradinnen. Dabei sagte Madame Berthier: „Es wäre unser größter Stolz, sagen zu können, daß wir durch unser Opfer, Arbeit und Wachsamkeit dazu beigetragen haben, daß überall Frieden herrscht.“ Bürgermeister Gerhard Dorbritz erklärte: Wir betrachten die Verankerung der deutsch-sowjetischen Freundschaft in unserer Verfassung als eine bedeutende sozialistische Errungenschaft. Die vom Geist des sozialistischen Internationalismus geprägte Haltung der Sowjetunion gegenüber dem deutschen Volk und die von der SED und den anderen in der Nationalen Front vereinten Parteien und Massenorganisationen vertretenen Auffassungen und ihre zielstrebigen Taten führten zu den für jeden sichtbaren Erfolgen deutsch-sowjetischer Zusammenarbeit.“
Bereits das fünfte Mal weilten Frauen aus den westeuropäischen Ländern zum Tage der Befreiung in Belzig. Auf die Frage, warum die vor 2 Jahren ausgesprochene Einladung einer Belziger Delegation nicht realisiert wurde, antwortete ein Mitglied der belgischen Delegation: „Das ist auf das Travelbüro in Westberlin zurückzuführen, das keine Visa erteilt. Die USA und Westdeutschland üben auf unsere Regierung politischen und ökonomischen Druck aus, um solche Kontakte zu vermeiden.“ Eine andere Teilnehmerin erklärte gegenüber unserem Reporter, daß sich ihr Mann öffentlich als Kommunist bekennt und Repressalien ausgesetzt ist.


Quelle: Kreisarchiv Potsdam-Mittelmark, Zeitungsarchiv, Märkische Volksstimme vom 10.5.1969, S. 8