Gedenkbriefbrief zum 76. Jahrestag des Gedenkens an die Befreiung des ehemaligen
Konzentrationslagers- und Zwangsarbeiterlagers „Roederhof“ in Bad Belzig
„Seid wachsam!“
An der Geschichte von Roederhof zeigt sich der Umgang mit der Frage
„ Geschichtsbewältigung oder Verdrängung?“ Immer wieder lese ich, dass seit
Mai 1990 es nicht einmal 100 Einwohner sind, die von sich aus in den Maitagen
an der Gedenkfeier im Grünen Grund teilnehmen. In der Vorwendezeit waren es
Tausende. Ist es die Abstumpfung gegenüber der Verantwortung zur Geschichte
oder einfach nur eine Reaktion in unserer schnelllebigen Zeit?

Ich denke, dass nur in der Konfrontation mit einzelnen Schicksalen-immer wieder-
Einfühlung und Betroffenheit entstehen kann. Für mich als Schülerin einer 11.
Klasse des Bad Belziger Gymnasium ist es enorm wichtig, eine angemessene
Erinnerung zu bewahren und an zukünftige Generationen weiterzugeben. So
wie wir mit der Historie heute umgehen, so geben wir auch ein Bild und Zeugnis
über das Deutschland von heute ab. Auch ich habe väterlicherseits jüdische
Vorfahren und finde es enorm wichtig, immer wieder die Gefahr der
Ausgrenzung Andersdenkender, anderer Religionen, anderer
Lebenseinstellungen ins Bewusstsein der Leute zu rücken. Gerade in meiner
Generation ist es schwierig, die Erinnerung an den Holocaust zu bewahren, weil
es kaum noch Zeitzeugen gibt und die Lebenswelt der Jugendlichen davon weit
abgerückt ist. Dennoch ist es unsere Aufgabe, auf antisemitische Äußerungen
rechtzeitig zu reagieren und die Gesellschaft wach zu halten, um im
entscheidenden Feld ein kollektives Gedächtnis abzurufen, dass auf Wissen um
die nationalsozialistischen Verbrechen beruht. Das Gedenken an alle Opfer ist
für mich eine menschliche Aufgabe, weil ich gerade im Geschichtsunterricht
detailliertes Wissen über diese Zeit erlangt habe, dass mich sehr oft stark bewegt
hat. Betrachtet man die Zunahme der Wählerzahlen in den Reihen der AfD, gilt
das in besonderer Weise. Unsere heutige individualisierte Gesellschaft muss sich
die Betroffenheit bewahren und der Verantwortung bewusst sein, dies immer
wieder neu an die künftigen Generationen weiterzugeben. Für die Zukunft
wünsche ich mir, dass hier in Belzig die Geschichte des „Roederhof“
wach gehalten und immer wieder neu ins Bewusstsein der Bevölkerung gestellt
wird.
Clara Kushner, Leistungskurs Geschichte Fläming Gymnasium Bad Belzig